Morgendliche Begegnungen, September 2019

 

Jeden Morgen komme ich an dem verwunschenen Garten vorbei. Er ist natürlich nicht wirklich verwunschen, aber wer weiß das schon? Eigentlich ist es eher ein wilder Garten mit Buchsbaum und Sträuchern, Unkraut und trockenem Gras und einer Terrasse. Durch die Gitterstäbe spähe ich durch rankendes Grün hinein und muss die Augen zukneifen, denn die frühe Sonne scheint mir direkt ins Gesicht. Wie ein riesiger Scheinwerfer setzt sie die Terrasse und den Garten in helles Licht, so dass alle Dinge dort einen Heiligenschein bekommen. Auch der Hund, der auf der Terrasse liegt, wirkt der Welt entrückt. Wenn er mich sieht, springt er auf und läuft zum Gitterzaun neben der Einfahrt. Ganz ernst und aufmerksam schaut er mich durch die rostigen Gitterstäbe an. Ich sage „hallohallo“ und gehe weiter. Manchmal drehe ich mich noch einmal um und bin gerührt, weil der Hund mir nachsieht.

 

Zuwachs im Hühnerhof, August 2019

 

Wenn man das Leben als eine Reise betrachtet, kann man sich schon mal wundern, an welchen Stationen man Halt macht. Und mit wem. Zu unserem derzeitigen Aufenthalt haben sich zum Beispiel sechs Hühner gesellt. Hätte mir das noch vor zwei Jahren jemand prophezeit, ich hätte ihn ausgelacht. Aber nun sind sie da, die Hühner, in unserem Leben, und wir können sie uns nicht mehr fortdenken.

 

Der Schwimmende Markt in L'Isle sur la Sorgue, August 2019

 

Keine Frage: Venedig ist einmalig. Aber wer es etwas übersichtlicher und gemütlicher mag, ist in L’Isle sur la Sorgue gut aufgehoben. Viele kleine Brücken und Stege führen über die Sorgue, die mit vielen Wasserläufen und Kanäle die Inselstadt durchzieht. Nicht umsonst ist das kleine Städtchen als Venedig der Provence bekannt. Und im Sommer wird rund ums Wasser und auf dem Wasser gefeiert!

 

In der Calanque de Figuerolles, Juli 2019

 

Bei Fjorden denkt man vor allem an Skandinavien, an steile Felsen, malerische Buchten und unberührte Landschaften. Aber der Küstenstreifen zwischen Marseille und Cassis bietet mit seinen Calanques eine ebenso spektakuläre Natur. Die in Kalksteinfelsen geschnittenen Buchten sind nur auf dem Wasserweg oder über nicht immer einfache Wanderwege zu erreichen. Unser Reiseführer hat einen besonderen Geheimtipp: die kleine Calanque de Figuerolles ganz östlich bei La Ciotat. Auch ein kleines Hotel mit Restaurant gibt es dort. Ideal für einen Wochenend-Besuch.

 

Fischerfest in L'Isle sur la Sorgue, Juli 2019

 

L’Isle-sur-la-Sorgue ist ein Ort am Fluss. Die Sorgue schlängelt sich durch das Städtchen, das als Klein Venedig der Provence bekannt ist. Ausgediente Wasserräder drehen sich malerisch für die Fotos der Touristen. Früher war L’Isle ein reiner Fischerort. Bis weit ins Mittelalter lebten die Menschen vom Fischfang, sie zogen Forellen, Elritzen und Aale aus dem frischen Wasser, das nur fünf Kilometer entfernt aus einer Quelle entspringt. Vor allem Flusskrebse sicherten den Lebensunterhalt: Zu zehntausenden wurden sie täglich aus der Sorgue gefischt, bis Ende des 19. Jahrhunderts eine Epidemie die Krebspopulation vollkommen vernichtete. Wenn diese alten Zeiten und ihre Traditionen in L’Isle wieder lebendig werden, dann dank der Fischerbruderschaft. Am dritten Sonntag im Juli feiert sie ihr Fischerfest.

 

Nach Les-Saintes-Maries-de-la-Mer, Juni 2019

 

Ein Ausflug in die Camargue – wer denkt da nicht an weiße Pferde, schwarze Stiere und Rosaflamingos? Wir jedenfalls tun es. „Ihr müsst mir unbedingt ein Flamingo-Foto schicken“, hatte uns zuvor noch eine Freundin gebeten. Das Foto sind wir noch schuldig, denn wir sahen Stiere, Pferde, viele Reiher, Schwäne, aber Flamingos leider nicht.

 

Vogelkind landet vor Hundeschnauze, Juni 2019

 

Beim Frühstück unter der großen Pinie im Garten ist uns heute ein kleines Vogelkind vor den Tisch geflogen. Besser gesagt: Willi, unser vierbeiniger Mitbewohner, hat das flatternde Etwas aus der Hecke aufgestöbert und wie einen Fußball vor sich hergetrieben. Die einzige Chance, das kleine Wesen vor seinen Fängen zu retten – ich nahm es in die Hand. Es zappelte nicht, stellte sich ganz ruhig, und ich spürte sein Herz in meiner Hand pochen. Was macht man, wenn man unversehens einen kleinen Vogel in der Hand hält?

 

Vor dem Tour Philippe, Juni 2019

 

Lebe deinen Traum! Heute sagt sich das so leicht. Jeder, der mit seinem Weg hadert und nicht weiß, wie er sein Leben richtig leben soll, bekommt das zu hören. Das hätte Philippe Audibert gefallen! Als er beschloss, seinem Bauchgefühl zu folgen und endlich sein Ding zu machen, sorgte das ordentlich für Aufsehen und Gerede. Er sei ein bisschen „fada“, so sagt die Leute damals – ein bisschen verrückt. Fada ist provenzalisch und hieß ursprünglich „von den Feen berührt“. Und vielleicht haben sie ihn ja berührt, die Wesen aus einer anderen Welt, vielleicht hatte Philippe einfach eine höhere Vision. Und so wollte er selbst hoch hinaus.

 

Unterwergs in den Ockerbrüchen von Rustrel, Mai 2019

 

Es gibt Orte, die sind nicht von dieser Welt. Wer schon mal über den Strand von Sankt Peter-Ording gelaufen ist, weiß, wie es sich anfühlt, auf dem Mond gelandet zu sein. So geht es einem auch im Colorado Provençal in Rustrel. Bekannter sind in der Provence vielleicht noch die Ockerfelsen im 15 Kilometer entfernten Roussillon. Doch wer Ockerbrüche richtig erleben will, sollte den kleinen Ort Rustrel nicht verpassen!

 

Die Hürden der modernen Kommunikation, April 2019

 

Die gute Nachricht vorweg: Wir sind im Leben, denn wir haben jetzt eine „Lifebox“. So heißen die Router in Frankreich. Wir sind jetzt also erreichbar und können ins Internet. Das ist schön. Aber dass gerade die sogenannten Kommunikationsunternehmen es einem immer so schwer machen, kommunikativ tätig zu werden, ist in Frankreich nicht anders als in Deutschland.

 

Eine himmlische Mittagsstunde, April 2019

 

Blau. Der Himmel ist so tief blau an diesem Tag. Ich liege auf der Bank und blicke in die Unendlichkeit. Keine Wolke ist zu sehen. Nur feine Kondensstreifen durchziehen wie Wellenbrecher diese Ganzheit, wenn ein fernes Flugzeug mein Blickfeld streift. Der Flugzeugrumpf blinkt in der Sonne wie ein Stern in dunkler Nacht. Von wo es wohl kommt? Wohin fliegt es?

 

In den Steinbrüchen des Lichts, April 2019

 

Es gibt Dinge, die man schlecht beschreiben kann. Man muss sie erleben. Den ersten Sex zum Beispiel. Eine Achterbahnfahrt. Weniger rasant, aber ebenso aufregend ist der Besuch in den Carrières de Lumières, den Steinbrüchen des Lichts in Les Baux-de-Provence.

 

Sechs Junghennen haben ein neues Zuhause, April 2019

 

Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? In unserem Fall ganz klar: das Huhn. Besser gesagt: sechs Hühner. Ja, wir haben gackernden Familienzuwachs erhalten. Und der sorgt nun bei uns für Eier-Glücksgefühle!

 

Wenn Raupen auf eine Prozession gehen, März 2019

 

Die ersten Schmetterlinge flattern schon am Fenster vorbei! In kräftigen Regenbogenfarben schimmern ihre Flügel. Liegt es an ihrer Buntheit, an ihrer filigranen Zartheit, an ihrem fröhlichen Geflatter im Wind? Tatsache ist wohl: Alle Menschen lieben Schmetterlinge. Es ist deshalb ein besonderes Lehrstück der Natur, dass ausgerechnet diese schönen Lebewesen aus Raupen schlüpfen, die so gar nicht dem menschlichen Schönheitsideal entsprechen? Und die manchmal sogar gefährlich sind. Ein Beispiel dafür ist der Pinien-Prozessionsspinner.

 

Ein Waldspaziergang bei Bonnieux, März 2019

 

In alten Kulturen wurden Zedern als heilige Bäume verehrt. Die immergrünen Kieferngewächse wachsen in Nordafrika, im Nahen Osten und im Himalaya. Denn Zedern mögen heiße Sommer und überstehen gut Trockenzeiten. Aber auch in der Provence kann man unter den majästetischen Baumriesen wandern. Denn einer der größten Zedernwälder Europas befindet sich im Luberon.

 

Ein Rätsel am Wegesrand, Februar 2019

 

Hier beginnt unsere Geschichte. So hat es jemand in Schönschrift auf einen Stein geschrieben. Der Stein liegt in einem Einsatz einer Steinmauer am Wegrand zwischen Steineichen und Olivenhainen bei Robion. „C’est ici que notre histoire commence…“ Den Rest soll sich wohl jeder selbst denken, der vorbeikommt und neugierig hineinschaut.

 

An der Pestmauer in Cabrières d'Avignon, Januar 2019

 

Immer, wenn der Mensch sich nicht anders zu schützen wusste, hat er Mauern gebaut. In einer globalen Welt werden Grenzen dagegen anders gesetzt. Mauern sind Geschichte: Auf der Chinesischen Mauer klettern Touristen, die Berliner Mauer existiert nur noch in einigen Köpfen. Und doch diskutiert die Welt plötzlich wieder einen Mauerbau: Ob Donald Trump mit seinem Plan, einen Grenzwall zu Mexiko zu bauen, durchkommt?

 

Umzug mit zwei Möbelpackern, November 2018

 

Ein anderer Ort, ein neues Leben. Das alte wird hinterhergefahren, der Möbelwagen soll am frühen Morgen kommen. Doch der Tag fängt nicht gut an. Erst ein Anruf von der Spedition, der Truck ist auf der Strecke liegengeblieben, ein Ersatzteil muss erst besorgt werden. Dann ziehen auch noch dunkle Wolken auf. Als am frühen Abend der riesige Lastwagen endlich in der Auffahrt parkt und die beiden Packer die Hecktüren aufhebeln, öffnet auch der Himmel seine Schleusen.

 

Begegnungen mit „Xeropicta derbentina", Oktober 2018

 

Wenn die Sonne in der Provence am heißesten brennt, mischen sich in die Lavendelfarben des Sommers plötzlich überall weiße Farbtupfer. Felder und Straßenböschungen verwandeln sich, aus der Ferne betrachtet, in Blütenmeere. Erst beim Näherkommen erkennt man: Die vermeintlichen Blüten leben. Es sind Schnecken.

 

Ein Spaziergang durch Nîmes, Oktober 2018

 

Nîmes bekommt in jedem Reiseführer drei Ausrufezeichen. Zurecht. Die Hauptstadt des französischen Département Gard vereint antike und moderne Kunst auf engstem Raum. Doch wer auf dem Weg vorbei an den imposanten Bauwerken den staunenden Blick mal ein wenig senkt, entdeckt einen ungewöhnlichen Weggefährten: ein kleines grünes Krokodil.

 

Pizza Piquante in Goult, Oktober 2018

 

Fremde Menschen um etwas zu bitten, das fällt schwer. Warum sollte Dir ein Fremder einen Gefallen tun? Denkst du. Bist du nicht selber immerzu auf Vorsicht gebügelt? Wem kann man heute noch trauen?! Umso schöner, wenn man Menschen trifft, die dich eines Besseren belehren. Im konkreten Fall: eine Pizza vorschießen.

 

Annäherungen an ein Naturphänomen, September 2018 

 

Ganz plötzlich braust er auf und nimmt dich in den Arm. Mal streichelt er dich, viel öfters schüttelt er dich heftig, der Ungestüme, und bläst dir kalt ins Gesicht. Er kann jammern und heulen, stöhnen, pfeifen und seufzen. Dann holt er noch mal tief Luft, um abrupt wieder loszulassen. Dem Mistral kann man in der Provence nicht entgehen. Ihn zu treffen, ist immer wieder ein durchrüttelndes Erlebnis.

 

Die Begegnung mit einem kleinen Distelfink, September 2018

 

Am Morgen liegt er im Gras. Ein kleines Knäuel, der Hals merkwürdig verrenkt. Ein Jungvogel, der aus dem Nest gefallen ist. So hilflos, der Körper pumpt das kleine Leben angestrengt durch sich hindurch. Hat er sich das Genick gebrochen? Wir können ihn doch nicht so liegen lassen.

 

Am Pont Julien, August 2018

 

Bilder vom tragischen Einsturz der Morandi-Brücke in Genua füllen noch immer die Zeitungsseiten, 43 Menschen kamen dabei am 14. August ums Leben. Die Suche nach den Ursachen für den Einsturz des gerade einmal  50 Jahre alten Bauwerkes hat gerade erst begonnen. Gedanken daran kommen einem unwillkürlich in den Sinn, wenn man zum Beispiel vor einer alten Brücke steht. In diesem Fall vor der Pont Julien in der Provence: Die kleine römische Steinbogenbrücke bei Bonnieux ist über 2000 Jahre alt.

 

Auf der Internationalen Antiquitätenmesse in L'Isle sur la Sorge, August 2018

 

Wer schöne Dinge aus zweiter Hand sucht, ist in L’Isle sur la Sorgue an der richtigen Adresse. Der kleine provenzalische Marktfecken ist sozusagen die Antiquitätenhauptstadt Frankreichs. Über 250 Antiquitätenhändler bieten Altertümliches, Kunst und Mobiliar quer durch alle Epochen. Zweimal im Jahr verwandelt sich der ganze Ort für ein paar Tage in einen riesigen Trödelmarkt unter freien Himmel: Immer zu Ostern und zu Mariä Himmelfahrt um den 15. August zieht es Besucher aus der ganzen Welt zur Internationale Antiquitätenmesse.

 

Ein Wochenende in Nordspanien, Juli 2018

 

Wie frei man eigentlich ist, merkt man erst, wenn man über Grenzen geht. Selbstverständlichkeiten sind woanders eben gar nicht so selbstverständlich. „Es gibt keine Freiheit ohne gegenseitiges Verständnis“, sagte Albert Camus. Wenn man zudem nicht die gleiche Sprache spricht, wird es mit dem Verständnis nicht gerade leichter. Eine Lehrstunde dazu haben wir in Bilbao erhalten. 

 

Ein Nachmittag in Fontaine-de-Vaucluse, Juli 2018

 

Wer in der brütenden Sommerhitze der Provence einen kühlen Ort sucht, fährt nach Fontaine-de-Vaucluse. Spätestens dort muss er feststellen, dass viele andere Menschen die gleiche Idee hatte: Die Quelle der Sorgue, des grünen Flüsschens, das diesen Teil der Provence fröhlich sprudelnd durchzieht, gehört zu den beliebtesten Naturdenkmälern Frankreichs. Doch trotz der vielen Touristen und der damit verbundenen Begleiterscheinungen hat Fontaine-de-Vaucluse sich seine ganz eigene Magie erhalten und lohnt einen Besuch.

 

Eine Nacht im Jura, Juli 2018

Perlhühner sind keine richtigen Hühner. Sie gackern nicht. Sie tuckern - und manchmal kreischen sie laut und lang. Es klingt wie ein schnarrendes Scheppern, erinnert an die Autohupe der Waltons. Durch die Stille des Revermont, des Naturschutzgebietes im Süden des französischen Jura, klingt der Schrei fremd und exotisch.

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