Von nervigen Mitbewohnern, September 2019

 

Tiere können das Leben sehr bereichern. Und ich meine damit nicht nur den Speiseplan! Was gibt es Schöneres, als mit seinem Hund spazieren zu gehen, den Hühnern im Garten beim Scharren zuzusehen, die Vögel vor dem Fenster zwitschern zu hören? Aber mit unserem Umzug aufs Land sind auch Tiere in unser Leben getreten, an die ich nach vielen Jahren in der Stadt gar nicht mehr gedacht habe. Ich gebe zu, ich hatte vergessen, dass es Fliegen gibt!

Mit Vorliebe rufen sie sich gleich am frühen Morgen in Erinnerung. Gerade träume ich einen wunderschönen Traum, an den ich mich klammere, da landet garantiert ein summendes Etwas auf meiner Nase. Reflexartig zuckt die Hand, um die Fliege zu verscheuchen, aber schon in der nächsten Sekunde ist sie wieder da. Fliegen sind stur! Dahin ist der schöne Traum, und mit der morgendlichen Schlummerruhe ist es dann vorbei…

Fliege

Wenn es nur ein Quälgeist wäre… Aber es sind Heerscharen! Und im Nachhinein erinnere ich mich an den Besuch einer Freundin vom Lande, die uns vor ein paar Jahren in der Stadt besucht hat. Fragend hielt sie meinen „Snapy“ in die Höhe, ein überaus ausgetüfteltes Gerät, mit dem man Insekten wie etwa die wenigen Spinnen, die sich mal bei uns verirrten, lebend fangen und vor die Tür setzen kann. Auf diese Erklärung hin bekam sie einen Lachanfall. Heute verstehe ich, warum.

Von den ersten warmen Frühlingstagen bis in den späten Herbst belagern diese alten Bekannten unser Haus. Angelockt werden sie von allem, was wir am Leben zu schätzen wissen: Wärme, Licht, gutes Essen. Anscheinend gibt es ein Signalsystem, dessen sie sich über Botenstoffe bedienen, um auch all ihren zahlreichen Artgenossen mitzuteilen, wie schön warm, hell und lecker es bei uns ist. Und so summte es diesen ganzen Sommer über in jeder Ecke unseres Heims. Vor den Fensterscheiben sammelten sich die dicken Brummer, die mit lautem Getöse von einer Ecke in die andere irren und dabei innerhalb kürzester Zeit die Fensterscheiben mit weißen Punkten übersäen. (Ganz zu schweigen von den unzähligen Mücken, die uns bei Tag und bei Nacht umschwirrten - aber das ist noch eine ganz andere Geschichte!)

Es mag für viele Menschen wirklich seltsam klingen, aber in unserem bisherigen Zuhause waren Fliegen nicht präsent. Dabei trifft man die kleinen Zweiflügler überall in der Welt. Nur in der Wüste und an den Polen haben die Menschen vor ihnen Ruhe, aber dort ist es auch nicht richtig gemütlich.

Aber natürlich ist es mit den Fliegen wie mit allem, was auf der Welt existiert: Sie haben ihre Daseinsberechtigung. Fliegen bestäuben Pflanzen, viele Tiere ernähren sich von ihnen. Sie sind Wunderwerke der Natur! Dank ihrer umsichtigen Facettenaugen und bis zu 300 Flügelschlägen pro Sekunde sind Fliegen irrsinnig flink. Und wie können sie eigentlich den Spiegel senkrecht nach oben laufen? Die gemeine Stubenfliege legt bis zu 2000 Eier in ihrem Leben. Das allerdings ist kurz - gerade mal zwei bis vier Wochen lang!

Ein kurzes Aufflammen von Leben. Ein Windhauch nur. Darf man im Wissen darum ohne Gewissensbisse zur Fliegenklatsche greifen und diesen Bruchteil von Zeit noch verkürzen? Oder sind die Fliegen vielleicht unsere spezielle Herausforderung? Wer seine Mitte gefunden hat und richtig in sich ruht, der kann bestimmt keiner Fliege etwas zuleide tun. Aber davon bin ich noch weit entfernt.

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