In Aix-en-Provendce, November 2019

 

Fragt man die Franzosen, in welcher Stadt sie am liebsten wohnen möchten, überrascht die Antwort nicht: Paris steht ganz oben an. Auf den zweiten Rang landet bei solchen Umfragen immer einer Stadt aus der Provence: Aix-en-Provence. Jeder, der schon mal über den Cours Mirabeau gebummelt ist, wundert sich darüber nicht. Die Stadt ist quasi das Paris der Provence. Man muss Aix-en-Provence einfach lieben. Oder Aix, wie die Bewohner dieses schönen Städtchens sagen.

 

Apropos sagen: Wie spricht man den Namen überhaupt aus? Äh? Oder Äks? Für Nichtfranzosen ist das durchaus eine Überlegung wert. Richtig ist Äks. Und „Aix“ leitet sich aus dem Lateinischen von Acqua ab - Wasser. Denn das sprudelt reichlich aus den Brunnen und Quellen der Stadt. Als „Colonia Aquae Sextiae Salluviorum“ wurde der Ort um 120 v. Chr. als erste römische Stadt auf gallischem Boden gegründet. Und dank seiner heilenden Thermalquellen wurde Aquae Sextiae schnell zu einem beliebten Kurort der Römer.

Heute ist die Stadt ein Magnet für Touristen. Aix hat viel Kultur und Historie zu bieten, doch zugleich schlägt ein junges Herz in den vielen kleinen Gassen der Altstadt: Von den 140 000 Bewohnern sind ein Drittel Studenten. Der blaue Himmel, die ockerfarbenen Stadtpalais und mittelalterliche Häuserzeilen, Kirchen und Museen, Platanen und große Plätze, Brunnen und Cafés, die Märkte - Aix ist einfach ein Gesamtkunstwerk. Nirgendwo sonst ist das Lebensgefühl, das mediterrane Flair, die Lässigkeit des französischen Südens so erlebbar.

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Jeder Besucher staunt erst mal über die Größe der Boulevards. Von den vielen moosbewachsenen Brunnen, die in Aix sprudeln, ist die Fontaine de la Rotonde im Zentrum der größte. Daran schließt sich gleich die Flaniermeile an: der Cours Mirabeau. Er wird gesäumt von riesigen schattenspendenen Platanen, von Brunnen und eleganten Adelspalästen aus dem 17. Und 18. Jahrhundert. 1651 wurde der breite Boulevard angelegt, damit die Kutschen der Adeligen darauf verkehren konnten. Kaum zu glauben, dass sich dort in frühester Zeit der Hinrichtungsplatz der Stadt befand. Heute drängen sich im Sommer die Urlauber an den Flohmarktständen, die regelmäßig auf dem Cours Mirabeau aufgebaut werden. Es gibt nur wenige freie Stühle in den vielen Restaurants und Cafés. Eins der bekanntesten ist die Brasserie „Les Deux Garçons“. Das Café ist legendär, galt es doch früher als Treffpunkt der Literaten und Künstler. Wer ist dort nicht alles eingekehrt!? Paul Cézanne, Pablo Picasso, Emil Zola, Albert Camus, später Alain Delon und Jean-Paul Belmondo, um nur einige zu nennen. Heute soll dort gelegentlich George Clooney seinen Kaffee trinken.

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Vom Cours Mirabeau aus laden die vielen kleinen Gassen Richtung Rathaus zum Bummeln ein. Elegante Geschäfte und Nobelmarken, aber ebenso viele individuelle Einzelhändler bieten einen interessanten Mix.

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Wer gerne stöbert, ist vor dem Palais de Justice richtig: Dreimal die Woche findet dort ein Floh- und Trödelmarkt statt. Auf dem Place Richelme geht jedem Provence-Urlauber das Herz über beim Anblick der Köstlichkeiten, die die Händler auf dem täglichen Bauernmarkt auftischen. Der Markt gilt als einer der schönsten der ganzen Provence. Er bietet auch eine gute Gelegenheit, einen Calisson zu probieren. Die Konfektspezialität aus Aix wird aus Mandeln, kandierten Orangen und Melonen gefertigt und schmeckt nach Marzipan mit Zuckerguss.

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Man kann sich in Aix wunderbar durch die Gassen treiben lassen. Dabei kommt man nicht umhin, auf Schritt und Tritt den Spuren von Paul Cezanne zu begegnen, dem großen Sohn und Maler der Stadt. Besonders gegenwärtig ist er natürlich in seinem alten Atelier, das man noch immer besichtigen kann. Ohnehin hat man das Lieblingsmotiv des Malers in Aix ständig vor Augen: Die Montagne Sainte-Victoire mit dem markanten Kalksteingipfel am Horizont gehört zum Stadtbild.

Bei einem Kaffee in einem der vielen Bistros kommen wir wenig später mit einer deutschen Studentin ins Gespräch. Sie erzählt begeistert von ihrem Studentenleben. So ganz ernst nehme sie das Studium mit all den Prüfungen während ihres Frankreichjahres allerdings nicht, verrät sie uns. „Wir sagen nicht Aix-en-Provence, sondern „Aix en vacence“ (Aix in den Ferien)“, gesteht sie vergnügt.

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