2. Februar, Mariä Lichtfest

 

Wenn man wollte, könnte man jeden Tag einem bestimmten Anliegen widmen. Der 2. Februar zum Beispiel ist von der UNESCO zum Tag der Feuchtgebiet erklärt worden. Seit 2011 steht er als internationaler Spiel-Deine-Ukulele-Tag auf der Agenda. In Deutschland haben ihn Hörer eines WDR-Radiosenders 2017 zum Tag des arbeitslosen Duftbaumes ausgerufen. In den USA ist Murmeltiertag, wie auch Nicht-Amerikaner seit dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ wissen. Und in Frankreich ist der 2. Februar der Tag der Crêpes. Und den haben wir tatsächlich gestern gefeiert.

Eingeladen hatte unsere Nachbarin. „Le Chandeleur“, das Lichterfest, ist zwar kein offizieller Feiertag, aber doch ein besonderer Tag für die Franzosen. Katholiken feiern das Fest der Kerzen 40 Tage nach Heiligabend als Mariä Lichtmess mit Prozessionen und Kerzensegnungen. Der Tag ist eine Zäsur, er markiert das Ende der Weihnachtszeit: Spätestens jetzt sollte man die Krippe wegräumen und den Tannenbaum abschmücken und entsorgen.

Das christliche Fest Lichtmess geht auf heidnische Lichterkulte zurück, die Papst Gelasius I. im 5. Jahrhundert verbieten ließ. Nach den Prozessionen und Kerzensegnungen ließ der Papst zu dieser Gelegenheit in Rom Eierkuchen an die Pilger verteilen. Und so kommen wohl die Crêpes ins Spiel. Die goldgelben und runden Eierpfannkuchen können zudem wiederum als Sinnbild der Sonne gesehen werden, die nun, Anfang Februar, wieder kräftiger scheint und die Dunkelheit des Winters vertreibt. Für die Bauern ist die Winterruhe vorbei, die Natur wird wieder lebendig. Nicht von ungefähr sind viele Bauernregeln mit diesem Datum verknüpft: „Wenn’s an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit. Ist es aber klar und hell, kommt der Lenz noch nicht so schnell.“ Oder, wie unsere Nachbarin kurz und knapp sagt: Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee.

Diese christlichen und heidnischen Bezüge von Le Chandeleur sind gewiss nicht im Bewusstsein der meisten Zeitgenossen. Die Franzosen denken bei Lichtmess vor allem an die für ihr Land so berühmten Eierpfannkuchen, die gebacken werden müssen. In den Supermärkten stapelten sich schon seit einiger Zeit die Crêpespfannen auf den Präsentiertischen, die Zeitschriften drucken die besten Crêpes-Rezepte. Und am 2. Februar stehen dann alle Franzosen am Herd. Jedes Familienmitglied muss seinen Crêpes selbst zubereiten, so will es die Tradition. Mit der rechten Hand gilt es, die Pfanne zu halten und den Pfannkuchen einmal zielgenau in der Luft zu werfen und zu wenden, während man in der linken Hand einen Goldtaler hält. Das verheißt Glück und Reichtum im neuen Jahr. Es soll Familien geben, die den ersten Crêpe nicht essen, sondern das ganze Jahr über auf einen Schrank stellen.

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Unsere Nachbarin hat es sich ehrlich gesagt einfacher gemacht. Die Crêpes, die sie auf den Teller in einem riesigen Stapel aufgetürmt hatte, waren schon fertig gebacken. Ehrlich gesagt habe ich sie im Verdacht, dass sie die Crêpes gekauft hat. Sei es drum, sie schmeckten köstlich! Vor dem Essen verkündete die Nachbarin ihre Sicht der Dinge: Je mehr man isst, desto mehr Glück bringt das neue Jahr. Eine klare Aufforderung! Wir genossen die Crêpes mit Marmelade, Schokolade und mit Zucker. Und nachdem wir ordentlich zugelangt hatten, war der Absacker nach dem Mahl schon mal unser erstes Glück. 

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