Auf der Internationalen Antiquitätenmesse in L'Isle sur la Sorge, August 2018

 

Wer schöne Dinge aus zweiter Hand sucht, ist in L’Isle sur la Sorgue an der richtigen Adresse. Der kleine provenzalische Marktfecken ist sozusagen die Antiquitätenhauptstadt Frankreichs. Über 250 Antiquitätenhändler bieten Altertümliches, Kunst und Mobiliar quer durch alle Epochen. Zweimal im Jahr verwandelt sich der ganze Ort für ein paar Tage in einen riesigen Trödelmarkt unter freien Himmel: Immer zu Ostern und zu Mariä Himmelfahrt um den 15. August zieht es Besucher aus der ganzen Welt zur Internationale Antiquitätenmesse.

Das ist breits seit 1966 ein festes Datum für alle, die gerne auf Flohmärkten nach besonderen Schätzen Ausschau halten. Rund 100 000 Gäste wurden gerade zur 105. Ausgabe der „Foire Internationale Art, Antiquités & Brocante“ in L’Isle sur la Sorgue erwartet. Zu den heimischen Antiquitätenhändlern, die ihre Geschäfte immer übers Wochenende öffnen, gesellten sich für fünf Tage noch einmal so viele Aussteller hinzu. Im Parc Gautier und auf den für den Autoverkehr gesperrten öffneten sie ihre Zelte zum Stöbern. Auf langen Holztischen unter Zeltplanen stapelten sich Gläser und Porzellan, Malereien, Blechspielzeug und alte Dosen, ausgediente Kaffeemühlen und Lampen, Wertvolles und Trödel jeder Art.

Mit den wohl ältesten Schätzen dieser Messe konnte Pascal Loret aufwarten: Der Händler aus Clermont-Ferrand verkauft schöne Designartikel aus einem schwarzen Marmor, der mit Fossilien durchsetzt ist. Die Waschbecken und Schalen spiegeln das Leben der Urzeit wider: Spiralförmige Ammoniten und Orthoceras, Vorfahren der heutigen Tintenfische, tummeln sich dort zu einem fantastischen Kosmos. Der Stein ist weich geschliffen, immer wieder streichen die Besucher mit den Händen darüber.

Aus der Sahara stammt der Marmor, erzählt Pascal Loret. Bei einer Reise 2011 nach Marokko hat er dort die Steinbrüche entdeckt. Und war von Anfang an fasziniert. Zuerst habe er vor allem an das Design gedacht, sagt er. Doch nach und nach habe er sich immer mehr für die Fossilien interessiert. Inzwischen sei es eine besondere Leidenschaft, die Zeugnissen einer 350 Millionen Jahren vergangenen Zeit in den Händen zu halten und damit zu arbeiten. Die Fossilien stammen aus der Devonzeit, als ein Urmeer den größten Teil der Erde einnahm.

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 Sechs Monate im Jahr verbringt Pascal Loret inzwischen in Marokko, wo er mit örtlichen Handwerkern in seinen Ateliers arbeitet. Die andere Hälfte des Jahres ist er mit seiner Frau in Frankreich auf Märkten und Messen unterwegs. Seine Designprodukte entstehen auf Bestellung. In L’Isle sur la Sorge ist er seit fünf Jahren mit seinem Stand. Er ist mit der August-Messe zufrieden. Es sei für ihn ein gutes Jahr, sagt er. In der Provence finde er viele Kunden, Franzosen und Ausländer, die sich für seine Objekte begeistere.

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Nicht so alt, aber auf alt gemacht sind dagegen die irdenen Tonkrüge, die Mr. Bonnet aus Bandol verkauft. Er kann dazu auch Historisches erzählen. Denn die großen Töpfe, die er neben seinem Antiquitätenhandel selbst produziert, sind nach lokalen Vorbildern gestaltet. Es sind so genannte „Bugadiers“, die in früheren Zeiten von den Frauen in der Provence für die große Wäsche (der Bugade) verwandt wurden. In provenzalischen Farben und nach traditioneller Art trägt Mr. Bonnet die Patina auf, die den Töpfen aus gebranntem Ton das besondere Aussehen schenken.

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Heute stehen solche Bugadiers als Pflanzentöpfe auf den Terrassen schöner Provence-Häuser und sind sogar winterfest: Bis zu minus 15 Grad können sie draußen noch vertragen, versichert Mr. Bonnet. Ein Kauf bei ihm muss allerdings schon geplant sein, denn so ein Bugadier, zu haben für rund 150 Euro aufwärts, wiegt schon mal 50 Kilo. Ein paar Stände weiter gibt es sogar noch richtig historische Bugadiers, aber die kosten dann auch das Zehnfache.

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