Sechs Junghennen haben ein neues Zuhause, April 2019

 

Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? In unserem Fall ganz klar: das Huhn. Besser gesagt: sechs Hühner. Ja, wir haben gackernden Familienzuwachs erhalten. Und der sorgt nun bei uns für Eier-Glücksgefühle!

Sechs Damen sind vor drei Tagen bei uns eingezogen. Leider hatten wir in unserer Aufregung vergessen, den Verkäufer nach ihrem Alter zu fragen. Auf vier Monate schätzt sie René, unser Nachbar. Also Junghennen. Sie sind sehr unterschiedlich im Aussehen und Temperament. Als wir sie aus den Sack ließen, in den der Händler sie ruppig gestopft hatte, rannte ein weißes Huhn gleich vorwitzig über das Stück Wiese, das nun ihr Zuhause ist. Wir mussten an die mutige Greta Thunberg denken - und so heißt die Legehenne jetzt Greta. Das zweite weiße Huhn haben wir Bertha getauft, weil deutsche Freunde sagen, jedes vernünftige Huhn heißt Bertha. Unsere französische Nachbarin schlug für die beiden schwarzen Hühner Romeo und Julia vor, doch da es sich ja ausschließlich um Mädchen handelt, wurde daraus Juliette und Fanny. Zwei Legehennen sind noch ohne Namen. Mal sehen, an wen uns das graue und das schwarz-braune Federwesen erinnern.

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Wir sind immer noch ganz aufgeregt und gucken immerzu in den Hühnerhof. Vorgestern hat es geregnet, aber die Hühner blieben den ganzen Tag draußen, da haben wir uns schon ein bisschen Sorgen gemacht, ob sie sich nicht erkälten. Aber vielleicht war es die erste Dusche ihres Lebens, und sie wollten sich mit Wind und Wasser einfach nur den Staub und Dreck ihres Käfigstalls abwaschen? Gestern wiederum war es sonnig und warm, doch die Hennen kamen nicht aus ihrem Häuschen heraus. Vielleicht hatten sie zu viel Gras gepickt und jetzt Bauchschmerzen? Wir sollten den Übergang von der Stall- in die Freilandhaltung vorsichtig gestalten, hatte der Verkäufer extra gemahnt und uns noch Futter, an das sie gewöhnt sind, mitgegeben. Aber die sechs Hühner hatten gleich so begeistert die Wiese in Besitz genommen. René verdreht die Augen, wenn wir ihm von unseren Sorgen erzählen.

Mit der Zeit werden wir bestimmt souveräner. Aber es fühlt sich gut an: Wir haben jetzt eigene Hühner. Wie so jeder hier in unserer französischen Nachbarschaft. Und wie das so mit Nachbarn ist, orientiert man sich gerne an ihnen. Also hatten wir uns irgendwann gefragt: Warum haben wir eigentlich keine Hühner? Platz wäre da. So schwer und aufwendig scheint die Haltung nicht zu sein. Jeden Tag gäbe es ein frisches Ei! Und wir hätten noch angenehme gackernde Lebensgefährten…

So hatten wir in den vergangenen Wochen den kleinen Hühnerstall gebaut. Mit Nestern, einer kleinen Leiter, Sitzstange und Schaukel. Das Federvieh soll sich schließlich wohlfühlen. Die Nachbarn schauten über den Zaun zu, gaben gute Tipps und amüsieren sich: Ob wir auch noch einen Fernseher reinstellen, wollte René wissen. Und kam mit der Flasche Pastis, als alles fertig war.

Er hatte uns auch geraten, einen Hahn zu kaufen. Der sei gut für die Harmonie, sagen die erfahrenen Hühnerhalter aus der Umgebung. Frauen unter sich können ja schon mal zickig werden. Aber wir haben uns doch für eine reine Damentruppe entschieden. Wir hoffen auf den Zaun-Effekt, denn unsere Hühnerwiese grenzt direkt an das Hühnergitter von René, dessen prächtiger Gockel uns morgens aus den Schlaf kräht. Er wird bestimmt über den Zaun hinweg beim fröhlichen Gatter-Gegacker seinen guten Einfluss ausüben. Und dass kein Hahn vonnöten ist, um Eier zu bekommen, das haben uns unsere Damen schon gezeigt.

Ja, gleich am ersten Morgen lagen drei große braune Eier im Stroh! Die Freude war riesig – aber kurz. Denn dass Junghennen so große Eier legen können, gab uns zu denken. Wir nahmen die Eier in die Hand, sie waren schon kalt. Und: Sie trugen einen Stempel-Code! Wir konnten uns das Lachen unserer Nachbarn hinterm Zaun gut ausmalen! Vielleicht haben unsere Hühner uns dabei beobachtet. Und wollten uns doch ein eigenes Geschenk machen. Denn als wir am Nachmittag mal wieder über die Hühnerwiese schlenderten, wären wir fast über etwas hell Schimmerndes gestolpert. Im Gras versteckt lag, gleich hinter der Eingangspforte, ein kleines weißes Ei. Es war nicht mehr warm. Aber es strahlte wie eine Perle. Ein Kleeblatt klebte daran, als wir es hochnahmen. Ein schöneres Geschenk hätten Greta oder Bertha uns nicht machen können. Ostern kann kommen.

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