Es wird Frühling in Hamburg, April 2026

 

Es schneit! Endlich! Nein, dies ist nicht der kalte Griff des Winters, der uns in diesem Jahr so lange einen eisigen Mantel angelegt hatte. Dieser weiße Himmelssegen erwärmt das Herz und belebt die Sinne. Unzählige rosa-weiße Blütenblätter werden mit jedem Windhauch vom Kirschbaum aus dem Nachbargarten gerüttelt und verwandeln den Garten in ein Blütenmeer. Kirschblüte in Hamburg... – es wird Frühling!

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Welch ein Naturspektakel, wenn die Bäume aus dem Winterschlaf erwachen und ihr schönstes Blütenkleid anlegen. Oft ist es leider nur ein kurzes Schauspiel. Die rüttelnden Windböen weniger Stunden und Tage reichen für einen Blütenregen, der den Kirschbaum aus dem Nachbargarten schon wieder kahl aussehen lässt. Dafür ist der Boden mit einem weichen Blütenteppich geschmückt. Sind es zehntausende, hunderttausende Blüten? Die Magnolie daneben solidarisiert sich: Nur drei Tage hat sie sich in ihrer schönsten Pracht bewundern lassen, doch nun sieht sie schon wieder arg gerupft aus.

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Die Kirschbäume im Alten Land stehen nun auch in Blüte. Das ist eine Schlagzeile in den Abendnachrichten wert. Die Apfelbäume brauchen noch ein paar Tage. Der riesige Obstgarten südlich der Elbe lockt im April und Mai nicht nur unzählige Insekten, sondern ebenso viele Besucher. Ein Spektakel, das geplant und gefeiert werden muss: Aufgrund der frühen Obstblüte findet nun beispielsweise das Altländer Blütenfest in Jork bereits eine Woche früher als gewöhnlich statt, am letzten Wochenende im April – inklusive Krönung der Blütenkönigin. Die Hansestadt Hamburg feiert dagegen ihr traditionelles japanisches Kirschblütenfest immer Ende Mai (in diesem Jahr am 31.), wenn längst die rund 5000 Kirschbäume der Stadt ihre Blüten abgeworfen haben.

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Und doch geht es doch immer nur darum: Die Menschen feiern die Natur. Als könnten wir es nicht glauben: Die kalte, harte Erde bricht plötzlich wieder auf, die Baumskelette beleiben sich – grünes Leben sucht sich seinen Weg. Jeder Sonnenstrahl, jedes Vogelzwitschern, jeder Blütenreigen wirkt wie ein Glücks-Booster. Alles fühlt sich plötzlich leichter an, lebendiger. Ist es ein biologisches Phänomen, in jeder Zelle verankert, wenn die wiederbelebte Natur nach der toten Jahreszeit die Sinne belebt? Sind es die Hormone, neu aktiviert durch die Wärme und das Licht? Ist es ein psychologisches Phänomen, ein Überlebens- und Erhaltungstrieb? Oder ist es eine Art spirituelles Wieder-Erweckungserlebnis, das uns umfängt und aufblühen lässt, wenn wir dieses Wunder der Natur in jedem Jahr wieder bestaunen und nach Worten suchen lässt, um es zu beschreiben? Wer muss das so genau ergründen...? Liegt der Zauber des Augenblicks nicht auch darin, dass man nicht erklären kann, was einem manchmal den Atem nimmt, das Herz berührt.

Ist es Zufall, dass mir heute ein Gedicht von Hermann Hesse in die Hand gekommen ist? „Voll Blüten“ heißt es:

Voll Blüten steht der Pfirsichbaum,
Nicht jede wird zur Frucht,
Sie schimmern hell wie Rosenschaum
Durch Blau und Wolkenflucht.
 
Wie Blüten gehn Gedanken auf,
Hundert an jedem Tag –
Lass blühen! lass dem Ding den Lauf!
Frag nicht nach dem Ertrag!
 
Es muss auch Spiel und Unschuld sein
Und Blütenüberfluss,
Sonst wär die Welt uns viel zu klein
Und Leben kein Genuss.

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